Was in der Betrachtung der Skulpturen des Stahlbildhauers Ulrich Krämer die Auf­merk­samkeit sucht, ist zu allererst der sinnliche Gestus des harten Materials. Der Werkstoff Stahl, meist der industriellen Verarbeitung vorbehalten, entfaltet hier in der Spiel­lei­den­schaft des Künstlers durch Verformung und Umformung, durch Schnitt, harte Tren­nung und erneutes Zu­sam­men­fügen in der Hitze des Schweißfeuers raumgreifend neue Formen.

Der Kontrast zwischen Härte und Wucht des Materials und gleichzeitiger Zartheit der Form, ja Zärtlichkeit filigran gestalteter Oberflächen ist der gewollte Eigensinn der Werke von Ulrich Krämer und fasziniert vom ersten Moment an. Sich verflüchtigende, den Himmel suchende Gestalten, sich entfaltende Wucht von Skulpturen, die den Kontakt zur Umgebung suchen – sie alle sind durch einen Arbeitsprozess gegangen, der am Widerstand des Materials sich entwickelt.

Wann zerreißt eine Fläche, wann springt eine Schweißnaht, wann kippt die Figur?

Die Arbeitsprozesse an Form und Ober­fläche sind der Skulptur „einverleibt“, sind ihr Gestus, ihre Inschrift. Die Geheimnisse liegen in der Verformung und Umformung harten Materials durch die Spiellaune, die immer neue Spielleidenschaft des Künst­lers. Schnell muss es gehen.

Arbeitsspuren bleiben erhalten. Gesetze und Eigenschaften des Materials sind sichtbar. Die Form folgt dem Material wie in den Arbeiten von Serra, Robert Smithon. Und hier finden die raumbezogenen Arbeiten von Ulrich Krämer Anschluss an unsere Zeit. Sie werden stahlgewordener Ausdruck der Moderne.

 

Dr. Ursula Herrmann